Marc-Oliver Dorn

Marc-Oliver Dorn, Personalreferent bei der Hannover Rück

Im Zeit Campus Online-Interview beantwortet Marc-Oliver Dorn, Personalreferent bei der Hannover Rück, fünf Fragen zu MINT. Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Kooperation prägen die Arbeit bei der weltweiten Nr. 3 der Rückversicherungsbranche.

MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – welche dieser Studienrichtungen suchen Sie aktuell besonders?

Wir legen unseren Fokus aktuell auf die Fachrichtungen Mathematik und Informatik. Das Rückversicherungsgeschäft ist vielfältig: Mathematikerinnen und Mathematiker können bei uns ins Underwriting gehen und Rückversicherungslösungen gemeinsam mit unseren weltweiten Kunden, anderen Versicherungsgesellschaften, entwickeln. Doch auch für diejenigen, die nicht so gern direkt mit externen Kunden zusammenarbeiten wollen und generell auch weniger reisen möchten, haben wir passende Aufgaben – beispielsweise im Risikomanagement. Der Fokus liegt dort auf der Entwicklung von Modellen zur Einschätzung von Schadenwahrscheinlichkeiten, der Überprüfung von aktuariellen Gutachten und der Weiterentwicklung unseres internen Kapitalmodells. Womit wir sehr schnell bei der Finanz- oder Versicherungsmathematik als möglichem Studienschwerpunkt sind. Auch für Menschen mit IT-Hintergrund haben wir viele interessante Jobs. Dabei muss die Ausbildung kein reines IT-Studium sein, auch Absolvierende der Mathematik oder Physik, die IT-lastig arbeiten wollen, sind willkommen. Ob als Software Engineer, als Data Scientist oder IT-Coordinator: IT Know-how brauchen wir überall, ob nun intern bei der Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie oder bei der Entwicklung neuer innovativer Versicherungsprodukte.

Die MINT-Studenten und Absolventen werden auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt, warum sollten Sie sich für Sie als Arbeitgeber entscheiden?

Wir sind der drittgrößte Rückversicherer weltweit. Das bietet ein spannendes und vor allem internationales Umfeld, aber auch eine gewisse wirtschaftliche Stabilität. Egal, was irgendwo auf der Welt passiert, seien es die Folgen von Naturkatastrophen, neue Technologien und damit verbundene gesellschaftliche Entwicklungen wie z.B. das autonome Fahren – wir sind dabei. Bei letztgenanntem wird es am Ende auch um die Frage gehen, was sicherer ist – selbstfahren oder gefahren werden? Man kann davon ausgehen, dass dies den gesamten Markt neugestalten wird wie die zur Prämienermittlung notwendigen Daten, die Versicherungstarife, und grundsätzlich die Möglichkeiten des Personennahverkehrs. Wir beschäftigen uns mit solchen Fragestellungen und versuchen, Lösungen zu entwickeln. Daneben bieten wir verlässliche Arbeitsbedingungen. Durch die Covid-19 Situation sind wir ganz ohne Kurzarbeit gekommen. Und dank der technischen Ausstattung unserer Arbeitsplätze waren wir in der Lage, dass weltweit alle 3.000 Mitarbeiter innerhalb einer Woche ihre Jobs remote ausführen konnten. Letztlich sind wir als Unternehmen immer nur so stark, wie unsere Mitarbeitenden es sind, und setzen daher auf Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Kooperation. Neben einem sicheren und internationalen Umfeld bieten wir Absolventinnen und Absolventen so auch die Möglichkeit, sich einzubringen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.  

Welche Einstiegsmöglichkeiten gibt es für MINTler bei Ihnen?

Ob Praktikum, Werkstudierendentätigkeit, verschiedene Trainee-Programme oder per Direkteinstieg – die Hannover Rück bietet viele Möglichkeiten an, um einzusteigen. Viele entscheiden sich nach einem Praktikum auch für eine Werkstudierendentätigkeit und bleiben nach dem Studium bei uns. So können die Studierenden schon mal in die Welt der Rückversicherung reinschnuppern und entdecken, welche Jobs wir anbieten.

Frauen sind in klassischen MINT-Berufen nach wie vor unterrepräsentiert. Wie sieht das bei Ihnen aus und haben Sie hier spezielle Förderprogramme?

Wir haben insgesamt im Unternehmen etwas mehr Frauen als Männer beschäftigt. Mit Women@HR haben wir ein internes Netzwerk bei der Hannover Rück, in dem sich Frauen untereinander vernetzen, sich austauschen und Wissen miteinander teilen. Wichtig ist aber meines Erachtens auch, parallel das richtige Arbeitsumfeld zu schaffen, das allen Mitarbeitenden ermöglicht, Job und Privatleben ohne Stress unter einen Hut zu bekommen. Dieses Umfeld bieten wir mit flexiblen Arbeitszeiten, unserer Kita und Teilzeitmöglichkeiten, die weit über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen. Um generell die Sensibilität für Diversität zu erhöhen, durchlaufen unsere Führungskräfte Seminare zum Thema "unconscious bias", also zum Hinterfragen unbewusster Denkmuster

Welche Perspektiven bieten Sie MINTlern in Ihrem Unternehmen?

Wir bieten vor allem langfristige Perspektiven. Es geht nicht nur darum, nach dem Studium erstmal die passende Stelle für den Berufseinstieg zu finden, sondern darum, gemeinsam mit uns Perspektiven zu entwickeln. Dazu zählt auch, sich auszuprobieren, aus Fehlern zu lernen und passende Weiterbildungsmaßnahmen in Form von Trainings, Hospitationen und Schulungen zu absolvieren. Vieles muss man erst einmal ausprobieren und schauen, ob es zu einem passt. Manche arbeiten lieber direkt mit Kunden zusammen, andere lieber mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Der eine sieht sich eher als fachlicher Spezialist, die andere als Führungskraft und der nächste wieder eher in der Projektarbeit. Und all dies kann sich auch immer wieder ändern. Denn die Interessen von Absolventinnen und Absolventen wie z.B. Netzwerken, Feedback bekommen und Praxiserfahrungen sammeln sind andere als die von Berufserfahrenen. Mit zunehmendem Alter rücken oft andere Themen in den Fokus – beispielsweise die Familie oder doch nochmal Berufserfahrung im Ausland zu sammeln. All dies ist bei uns möglich.